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„Mitgefühl mit dem Leiden wird selbstverständlich immer bestehen. Es ist einer der ersten Instinkte des Menschen.“

— Oscar Wilde, Die Seele des Menschen unter dem Sozialismus (1891)


Ein schöner Gedanke. Und, mit Verlaub, ein erstaunlich zuversichtlicher.

Denn wer sich lange genug in einer schweren seelischen Krise bewegt hat, weiß: Mitgefühl ist keineswegs selbstverständlich. Viele Menschen lernen früh, ihre Verzweiflung so gut zu verbergen, dass sie niemanden beunruhigt. Sie funktionieren, beantworten die üblichen Fragen mit den üblichen Sätzen und tragen dennoch etwas mit sich herum, das allein kaum noch zu tragen ist.

Gerade verletzliche Menschen erleben oft nicht zu wenig Gefühl, sondern zu wenig Raum dafür: zu wenig Geduld, zu wenig echtes Zuhören und zu viele vorschnelle Urteile, Ratschläge oder das betretene Schweigen jener, die mit fremdem Schmerz nichts anfangen können. So kann Einsamkeit entstehen, obwohl andere Menschen da sind. Und aus Einsamkeit kann eine Not werden, in der selbst der Gedanke an das Weiterleben schwer auszuhalten ist.

Deshalb möchte ich hier etwas Einfaches anbieten: Wenn dich etwas belastet, wenn du dich allein oder unverstanden fühlst oder wenn du Gedanken hast, die du nicht öffentlich aussprechen möchtest, kannst du mir schreiben. Unter : lady.moirer@odium-context.online  kannst du mir einen Leserbrief schicken oder mich direkt kontaktieren. Ich lese deine Worte ohne vorschnelles Urteil. Wenn es mir zeitlich möglich ist, antworte ich dir. 

Ich bin keine therapeutische oder medizinische Krisenstelle. Wenn du befürchtest, dir etwas anzutun, oder nicht sicher bist, ob du allein bleiben kannst, rufe bitte sofort 112 an. Die TelefonSeelsorge erreichst du anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0800 111 01 11, 0800 111 02 22 oder 116 123. Auch Chat- und Mailberatung sind verfügbar.

Artikel der Absurdität

O Leser, wie oft erstaunt es mich, wenn ich in den Blättern der Vorzeit wandle und entdecke, wie wenig sich das menschliche Herz und Gemüt im Laufe der Jahrhunderte gewandelt haben. Die Feder, geführt von Männern und Frauen voll Geist und Scharfsinn, vermag Wahrheiten zu künden, die, obgleich vor zweihundert Jahren zu Pergament gebracht, noch heute in unser Ohr hallen, als wären sie erst gestern gedacht worden.

Welch sonderbare Trauer und zugleich Wonne liegt darin, zu erkennen, dass der Mensch, so sehr er sich auch bemüht, dem Irrtum, der Eitelkeit und der Sehnsucht nach süßem Trug stets aufs Neue verfällt. Der treffliche Lichtenberg sprach: „Vom Wahrsagen lässt sich wohl leben in der Welt, aber nicht vom Wahrheit sagen.“ Und siehe, auch im heutigen Jahr, da die Uhren anders schlagen und die Kutschen zu Fahrzeugen geworden sind, die mit Lichtgeschwindigkeit Botschaften tragen, gilt dieses Wort unverändert fort.

So sei es denn Pflicht und Lust des Schreibenden, mit spitzer Feder und wachem Geist die Torheiten der Gegenwart zu spiegeln und zu mahnen, dass die Wahrheit – ob beliebt oder verschmäht – stets ihr Recht behält. Denn was sind wir anderes als wandernde Schatten, die, vom Licht der Erkenntnis berührt, einen Augenblick lang sichtbar werden auf dem Gewebe der Zeit?

„Zitat: Georg Christoph Lichtenberg (Sudelbuch J 787, 1789–1794).“

Notizen zur Unruhe

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